Erziehung

Margarets Cousine Edith bekommt im Verlauf der Erzählung zwei Kinder. Als das erste, Sohn Sholto, im Kleinkindalter ist, wird es für seine Mutter zur Herausforderung. Der Junge ist offenbar nicht schwieriger im Umgang als die meisten Kinder in seinem Alter, doch sobald er trotzig und unkooperativ wird, weiß Edith sich nicht zu helfen. Sie scheut Auseinandersetzungen jeglicher Art und wälzt ihre Verantwortung als Mutter auf das Kindermädchen ab.
 

Hier springt Margaret ein, die es in gewisser Weise sogar gern sieht, wenn der Kleine seinen eigenen Willen hat. "Sie trug ihn dann in ein Zimmer, wo sie es unter sich ausfochten." Margaret käme nicht auf die Idee, Sholto zu schlagen. Stattdessen setzt sie dem Willen des Jungen ihren eigenen Willen entgegen, bis er einsieht, dass sie stärker ist, und nachgibt. Er liebt seine Tante nach einem solchen Kampf noch mehr, weil sie während seines Zorns für ihn da war und ihm hindurchhalf.
 

An einer anderen Stelle zitiert Gaskell aus einem Gedicht von Richard Edwards (1524-1566), das sich mit eben dieser Thematik beschäftigt. Unter dem Titel "Amantium ira amoris redintigratia est" erzählt der Dichter von einer Frau, die nachts ihr schreiendes Baby beruhigt. Danach singt sie ein Lied über das Sprichwort, welches besagt, dass ein Streit zwischen treuen Freunden zur Erneuerung ihrer Liebe führt.
 

Elizabeth Gaskell propagiert mit Margarets Verhalten eine sehr fortschrittliche Erziehungsmethode. Es ist weder der im 19. Jahrhundert übliche autoritäre Erziehungsstil, noch ein gleichgültiges "laissez faire, laissez aller" bzw. das überforderte Abschieben des Kindes, das Edith praktiziert. Eine intensive, doch gewaltlose Auseinandersetzung mit dem Kind ist zwar sehr anstrengend, führt aber letztendlich zur Lösung von Problemen und zur liebevollen Bindung zwischen Eltern und Kindern. Im Gegensatz zur Gewaltanwendung, die stets Machtlosigkeit und Verzweiflung signalisiert, strahlen unerschütterliche Geduld und Hartnäckigkeit eine charakterliche Überlegenheit aus, die dem Kind nicht zuletzt auch als Vorbild dient.